Wann ist der perfekte Zeitpunkt für ein Fotoshooting?

20. Mai 2020

“Wunderschön, aber den Mut hätte ich nie.”

Diesen Kommentar fand ich auf einem Bild, das ich von der wundervollen Magdalena gemacht habe. Und es brachte mich zum Nachdenken. Meine erste Reaktion war “Das hat doch nichts mit Mut zu tun!”. Doch während ich die Antwort tippte und länger darüber nachdachte, war ich mir plötzlich nicht mehr so sicher. Hat es vielleicht doch etwas mit Mut zu tun?

Die Fotografie ist nicht nur mein Beruf, sondern auch meine Berufung. Daher bin ich es gewöhnt, mit fremden Menschen konfrontiert zu werden, die ganz individuelle Wünsche und Erwartungen hegen, denen es gerecht zu werden gilt. Deshalb ist der gesamte Prozess so wichtig: von Anfang bis Ende gehe ich sicher, die Fotoshooting-Erfahrung individuell auf jede Einzelne und jeden Einzelnen zurechtzuschneiden. Nur so können dabei wunderschöne Bilder entstehen.

Die wenigsten meiner Kundinnen und Kunden haben Erfahrung vor der Kamera

Einige haben bereits negative Erfahrungen gemacht, wurden vielleicht vom Ergebnis eines Fotoshootings mit einem anderen Fotografen enttäuscht und gehen deswegen davon aus, dass es an ihnen liegt, dass sie sich auf ihren Bildern nicht gefallen haben. Dass sie nicht genug waren und dass irgendetwas an ihnen nicht stimmt. Eine gute Fotografie hat die Kraft, den Blick auf sich selbst positiv zu beeinflussen; aber einen vielleicht noch größeren Einfluss haben schlechte Fotografien. Sie können einen davon überzeugen, dass man einfach nicht fotogen oder nicht schön genug ist.

Als Fotograf ist menschliches Fingerspitzengefühl mindestens genau so wichtig, wie das Handwerk an sich

Fühlt sich jemand vor der Kamera nicht wohl, sieht man das den Bildern sofort an. Das größte Kompliment, das ich für meine Bilder bekomme, ist, dass jeder darauf so wahnsinnig selbstbewusst aussieht. Und doch sind die meisten davon Menschen, die vor ihrem Fotoshooting ähnliche Ängste hegten.

Wenn man sich vor die Kamera traut, ist man dem/der Fotograf_in gewissermaßen ausgeliefert, man begibt sich in eine verletzliche Position und muss der Vision eines fremden Menschen vertrauen. Gerade in der Nische, in der ich mich mit meiner Arbeit bewege, ist das Vertrauen zwischen meinen Kunden und Kundinnen und mir essentiell.

Sich verletzlich zu zeigen, bedeutet gleichzeitig auch, Stärke zu zeigen

Also ja, es hat natürlich auch etwas mit Mut zu tun. In unserer heutigen Gesellschaft gehört alleine schon eine gewisse Portion Mut dazu, sich selbst etwas Gutes zu tun; und das aus einem einzigen Grund: weil man es verdient hat und es sich wert ist.

Von allen Seiten wird uns suggeriert, dass es unendlich viele Dinge an uns gibt, die man verbessern könnte. Bessere Ernährung, mehr Sport, schönere Kleider, mehr materielle Dinge, die es anzuhäufen gilt. Ist man mit sich selbst zufrieden, wird man schon fast schief angeschaut. “Wie kann der mit sich zufrieden sein, wenn ich es nicht kann?”

Es braucht Mut, zu sich selbst zu stehen. Es braucht Mut, zu sagen “Ich bin gut so, genau wie ich in diesem Moment bin!”. Und es braucht noch viel mehr Mut, diese Gedanken zu teilen und in Bildern zu verewigen.

„Courage starts with showing up and letting ourselves be seen.“

Brené Brown

Doch auch wenn du selbst mit dir noch nicht ganz im Reinen bist, verspreche ich dir, dass du es wert bist, gesehen zu werden. Dass ich mein Bestes geben werde, die schönsten Bilder von dir zu machen, die du jemals gesehen hast. Bilder, in denen du dich selbst wiederfinden wirst und die dich Jahre lang immer und immer wieder daran erinnern werden, dass du schön und gut so bist, genau so wie du bist. Nicht mit 5kg weniger, nicht 5 Jahre jünger. Du hast es verdient, genau in diesem Moment gesehen zu werden.

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