Ein Boudoirshooting mit meiner Mutter

30. Januar 2020

“Wieso möchtest du mich fotografieren? Ich bin gerade überhaupt nicht zufrieden mit meiner Figur und mit den jungen Mädchen die du sonst fotografierst kann ich ohnehin nicht mithalten.”

So oder so ähnlich war die erste Reaktion, nachdem ich meine Mutter darum gebeten habe, sie fotografieren zu dürfen. Obwohl ich weder explizit von einem Boudoirshooting, noch von Aktfotos gesprochen habe, wusste sie sofort, dass es viel Mut braucht, vor die Linse eines Fotografen zu treten. Und natürlich wusste sie auch, dass es meine Spezialität ist, Menschen in ihrer natürlichsten Form zu portraitieren. Ehrlich gesagt hat es ein bisschen Überzeugungsarbeit und einiges an Zeit gekostet, sie von ihren Bedenken zu befreien. Aber – wie bei den meisten anderen Dingen in der Vergangenheit – konnte sie mir auch diesen Wunsch nicht ausschlagen.

Mein Geschenk an meine Mutter: wunderschöne Boudoir Fotos

Seit ich mich erinnern kann, blicke ich zu starken, unabhängigen und selbstbewussten Frauen auf.

Meine Mutter wurde sehr jung mit mir schwanger; so jung sogar, dass meine Eltern damals selber noch bei ihren eigenen Eltern gewohnt haben. Beide meiner Elternteile mussten also schon sehr früh ihre eigenen Bedürfnisse hinter den meinigen und den meines jüngeren Bruders hinten anstellen.

Für mich war es also ganz klar, dass ich sie vor meine Kamera bitten musste – es war Zeit für mich, etwas zurückzugeben. Meine Mutter war immer ein großes Vorbild. Eine junge, starke Frau, die allen Hindernissen trotzt, die ihr das Leben in den Weg stellt: Wiedereinstieg ins Berufsleben? Kein Problem! Eine weitere Ausbildung absolvieren, während man sich zu Hause um zwei Kinder kümmert? Natürlich.

Anfängliche Bedenken

Als ich den bereits erwähnten anfänglichen Widerstand spürte, nachdem ich ihr von meiner glorreichen Idee – meinem Geschenk an sie – erzählte, war ich zuerst richtig verwirrt. Wieso sollte sie sich denn nicht voller Stolz zeigen wollen?

Da wurde mir bewusst: sie nimmt sich selbst nicht unbedingt so wahr, wie ich sie wahrnehme. Wo ich einen Körper sehe, der 9 Monate lang mein Zuhause war, sieht sie die Spuren, die ihre beiden Kinder hinterlassen haben. Wo ich ein Gesicht sehe, das mir seit meiner Geburt mit Liebe – und dem gelegentlichen mit Augenzwinkern versehenen Wutausbruch – entgegenblickt, sieht sie vor allem Zeichen des Älter werdens. Es existierten in diesem Moment also zwei Versionen von ihr: die, die die Welt sieht und die, die sie selbst sieht.

Mein Ziel war klar: Sie als die starke Frau und Mutter zu zeigen, die sie ist

Genau das ist das Ziel, das ich mit meiner Fotografie verfolge – jeder Person, die vor meiner Kamera Platz nimmt, zu zeigen, wie ich sie durch meine Augen sehe: Wunderschön. Stark. Selbstbewusst. Die verschiedenen Blickwinkel auf sich selbst einander annähern und ihnen dabei zu helfen, sich selbst mit so viel Liebe zu betrachten, wie sie andere Menschen betrachten.

Bei dem Shooting ging es mir nicht nur darum, sie als meine Mutter zu zeigen, schließlich ist das eine Rolle, die sie mittlerweile lange genug ausgefüllt hat. Vor allem war mir wichtig, sie als die starke, unabhängige Frau zu zeigen, die sie ist.

Das Boudoir-Shooting in meinem Studio in Linz

Zu Beginn des Fotoshootings konnte sich meine Mutter erst einmal zurücklehnen und sich fühlen wie ein Star, während sich meine Visagistin um typgerechtes Make-Up und professionelles Haarstyling kümmerte. Das ist ein fixer Bestandteil meines Prozesses und hilft nicht nur dabei, die Modelle optisch auf das bevorstehende Shooting vorzubereiten, sondern bietet auch noch einmal Zeit, für ein paar Momente in sich zu gehen und zu entspannen.

Das Shooting selbst verlief reibungslos und mit einigen Pausen, die mit lautem Gelächter ausgefüllt wurden. Nach wenigen Momenten fühlte sie sich sichtbar wohl vor der Kamera – das sieht man auch den selbstbewussten Bildern an.

Das Ergebnis: Wunderschöne Bilder, die sie authentisch festhalten

Gerade als Mutter ist man es gewöhnt, sich auf die Bedürfnisse seiner Kinder zu fokussieren, da gehen die eigenen schon gerne einmal unter. Auch dieses Shooting hat so begonnen: als Gefallen an mich, ihren Sohn. Der Beweis dafür, dass sie es jedoch auch für sich selbst getan hat, hängt jetzt in ihrem Schlafzimmer – wunderschöne Fine Art Prints mit den Lieblingsbildern aus ihrem Fotoshooting.

Ein Fotoshooting ist ein ganz besonderes Geschenk

Nicht nur für deinen Partner oder deine Partnerin, sondern vor allem auch an sich selbst. Jeder hat zeitlose Fotos von sich selbst verdient, die einen immer wieder an die eigene Schönheit erinnern.

Wann hast du dir das letzte Mal ein ganz besonderes Geschenk gemacht?

Blogeintrag teilen
Kommentare
Anzeigen
Kommentar hinzufügen

*

code